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Walther Hans Reinboth

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Lebenslauf von Walther Hans Reinboth

Von: Friedrich Reinboth, Dipl.-Ing. (FH) / Braunschweig

Am 18. Dezember 1999 wäre Walther Reinboth 100 Jahre alt geworden. Er starb am 15. Dezember 1990 in Walkenried, wenige Tage vor seinem 91. Geburtstag. Beruflich war er durch mehr als 40jährige Tätigkeit der heimischen Gipsindustrie verbunden und ein hervorragender Kenner dieses Metiers. Seine eigentliche Berufung war aber schon seit früher Jugend Schriftstellerei und Heimatforschung, vor allem aber die Malerei.

Seine Vorfahren kamen aus Hamma, wo es zahlreiche Träger des Namens Reinboth gibt. Der dortige Schankwirt Johann Georg Heinrich Reinboth heiratete im Juni 1806 die Tochter Christiane des Heringer Pfarrers Winkler. Der Vermerk im Trauregister: "Copulirt auf Befehl des Consistoriums" zeigt den Unmut des Pastors über die nicht standesgemäße Verbindung. Der 1806 geborene Sohn Gottfried zog als Schmiedemeister nach Kleinfurra. 1862 kam dessen Sohn Friedrich Ernst Reinboth (*1946) zur Welt. Dieser sollte - so wird erzählt - eigentlich das Schneiderhandwerk erlernen, setzte aber seinen Willen durch, Dekorationsmaler zu werden, und ging in Nordhausen beim Maler Elsner in die Lehre. Mit einem im Familienbesitz erhaltenen Portrait des Schneidermeisters Albert Hendrich in Bielen gewann er das Herz von dessen Tochter Amalie (geb. 1863) und ließ sich in der Schützenstraße in Nordhausen als selbständiger "Kunst- und Dekorationsmaler" nieder. Dort entstanden zahlreiche künstlerische Bühnendekorationen und -vorhänge vorallem für Gasthaussäle in der Umgebung von Nordhausen, welche meist von Amalie ("Malchen") Reinboth und den Kindern auf einem Tafelwagen ausgeliefert wurden.

Aus der Ehe von Friedrich und Amalie Reinboth gingen 6 Kinder hervor, am 18. Dezember 1899 kam Walther Reinboth zur Welt. Bei Gebhard & König erlernte er den Kaufmannsberuf. Nach dem Weltkrieg, den er blutjung bei einem badischen Artillerieregiment miterlebte, lernte er Emma Wichmann kennen, die aus Hattorf gebürtige Tochter eines auf dem Nordhäuser Bahnhof beschäftigten Stellwerksmeisters. 1922 ging er als Buchhalter auf die früher zu Branderode gehörende Gipsfabrik Kutzhütte zur Firma H.& E.Börgardts. Nun konnte er ans Heiraten denken und gründete 1923 eine eigene Familie. 1928 zog er wieder nach Nordhausen, um die Firma Börgardts in der neugegründeten "Verkaufsstelle Mitteldeutscher Gipswerke" in der Arnoldstraße zu vertreten. So kamen die beiden jüngeren seiner drei Söhne als Nordhäuser zur Welt.

Die Zerstörung Nordhausens und die deutsche Teilung brachte es mit sich, daß Walther Reinboth nach der Heimkehr aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft im Januar 1946 wieder auf der Kutzhütte, die jetzt zu Walkenried gehörte, an seine alte Arbeitstelle zurückkam und an deren Wiederaufbau entscheidend mitwirkte. Als Prokurist prägte er besonders die Öffentlichkeitsarbeit der Firma Börgardts. Als er 1956 die langjährige Firmenwohnung aufgeben mußte, baute er in Walkenried ein eigenes Haus. Dieses Haus am Hohen Weg wurde nicht nur zur Heimstätte der Familie, sondern ein Tuskulum für seine vielfältigen Neigungen, denen er erst im Ruhestand seit 1967, ungestört von beruflichen Verpflichtungen, nachgehen konnte.

Walther Reinboth war einer der heute selten gewordenen Menschen, die auf vielen Gebieten schöpferisch tätig sind und dabei ihren Weg ohne Rücksicht auf Klischees und Modeströmungen gehen. Der im März 1918 gefallene große Bruder Fritz, der wie der Vater Dekorationsmaler werden wollte, war sein großes Vorbild. So war seit früher Jugend das Zeichnen die liebste Beschäftigung von Walther Reinboth. Statt in der Schule dem Unterricht zu folgen, fand er es viel interessanter, durch das Fenster den sich um einen Schornstein kräuselnden Rauch zu beobachten und auf dem Heftrand zu skizzieren. Sein Lehrer, offenbar ein guter Pädagoge, ließ ihn als Strafarbeit die Zeichnung richtig ausarbeiten. Bei dem 1923 jung verstorbenen Maler Albert Seewald, der ihm freundschaftlich zugetan war, lernte er Techniken des Malens und Zeichnens; im Wesentlichen war er aber Autodidakt. Vom Zeichnen mit Blei und Farbstiften kam er zum Aquarell, schuf Linolschnitte und entwickelte ein besonderes Können in der Federzeichnung. Mit der Ölmalerei fing er erst 1946 nach der Heimkehr aus der Gefangenschaft an.

Selbst während des Krieges war der Skizzenblock sein ständiger Begleiter. So hielt er 1943 die verwinkelten alten Gassen Frankfurts, kurz bevor sie ein Opfer des Bombenkrieges wurden, in einer Reihe von Kreidezeichnungen fest. In den späteren Kriegstagebüchern finden sich Motive aus Saloniki und den Landschaften und Dörfern Albaniens, Bosniens, Kroatiens und der Südsteiermark - trotz der gefürchteten Hinterhalte der Partisanen.

Seine Lieblingsmotive waren neben Dorf- und Stadtbildern immer wieder Bäume, die ihm nicht krumm und alt genug sein konnten. In der "Grafschaft" gibt es kaum eine alte Dorflinde, die er nicht gezeichnet oder gemalt hätte. Mancher dieser Baumveteranen ist längst der Säge zum Opfer gefallen.

In der Nähe der Kutzhütte sah man Walter Reinboth oft schwer beladen mit Feldstaffelei und Farbkasten in den Wald ziehen, um einen alten Baum oder einen Blick ins weite Harzvorland auf der Malpappe festzuhalten. Später hatte es ihm besonders der Brunsteich bei Walkenried mit seinen wehenden Birken und fahlen Schilfsäumen angetan. Die draußen in der Natur skizzierten Blätter sprechen den Betrachter viel unmittelbarer an als im Atelier entstandene Gemälde.

Seine Malerei nahm er sehr ernst und bezeichnete sich deshalb im Alter am liebsten als "Maler". Es war ihm eine letzte große Freude, daß einige seiner Arbeiten in den Band "Der Harz - gesehen von Malern" aufgenommen wurden, dessen Erscheinen er 1990 schon auf dem Krankenlager erleben durfte. Leider ist die kleine Auswahl nicht Repräsentativ für sein Können. Am besten gelang ihm, was flott von der Hand ging und seine besten Arbeiten finden sich in den Skizzenmappen. Von den meisten modernen Künstlern hielt er nicht viel. Wenn Paul Klee meinte: "Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar", so tun genau das nach Reinboths Überzeugung viele moderne Bilder nicht, bei denen man die Absichten des Künstlers erst erklärt bekommen muß, um sie zu verstehen.

Reinboths Porträt wäre unvollständig, wenn man nicht auch anderer Felder gedächte, die beackert hat. Schon 1926 gab er im Selbstverlag einen kleines Heft mit Harzgedichten heraus, die sich durch saubere Metrik und Sprache auszeichnen. "Moderner" Lyrik stand er verständnislos gegenüber und bekam wegen einer etwas drastischen Kritik die Rute eines Verlagslektors zu spüren, an den er leichtsinnigerweise eigene Gedichte gesandt hatte. Er konnte sich aber damit trösten, daß ein Schriftsteller wie Rudolf Hagelstange seinen Gedichten Anerkennung zollte. In zwei kleinen Anthologien aus den Jahren 1975 ("Farbige Welt") und 1978 ("Abglanz des Lebens") hat Walther Reinboth Gedichte und Skizzen aus vielen Lebensjahrzehnten zusammengestellt. Eine große Zahl kleinerer Studien und Anekdoten, meist weniger anspruchsvolle Plaudereien, oft mit Illustrationen, schrieb Reinboth für Tageszeitungen und Zeitschriften.

Nachdem Reinboth 1928 wieder nach Nordhausen gezogen war, hatte
ihn sein früherer Turnbruder Hans Löffler mit den Höhlenforschern um Fritz Stolberg bekannt gemacht. Das war eine seltsame Schar durchweg ungewöhnlicher Menschen, die sich da in der "Gesellschaft für Höhlenforschung im Harzgebiet" zusammengefunden hatte, jenseits der politischen Wirren jener Jahre. Bald gehörte er zu ihren regsten Mitgliedern. Mit sicherem Strich und mit einfachsten Mitteln brachte er die Eindrücke unter Tage zu Papier. Die Bilder, soweit sie im Lindenhofmuseum ausgestellt und nach dessen Auflösung 1938 in der Neustadtstraße magaziniert waren, wurden im April 1945 ein Opfer des Bombenangriffs. Von seinen Höhlenforschergedichten wurde der "Heidnische Choral der Nordhäuser Höhlenforscher" durch seinen Höhlenforscherkameraden Fritz Strötker wirkungsvoll in Musik gesetzt. Nach dem Kriege war es im Westteil des Harzes vor allem Walther Reinboth, der die Tradition der Nordhäuser Höhlenforscher an die jüngere Generation weitergab. Die Arbeitsgemeinschaft für Karstkunde in Niedersachsen dankte ihm dies 1983 durch die Ernennung zum Ehrenmitglied.

Unter den Höhlenforschern erwachte Reinboths Interesse an der Geologie, das ihn später in manchen Gewissenskonflikt zwischen Beruf und Liebe zur heimatlichen Landschaft brachte. Mancher angehende Geologe und Geograph wird sich der Fachkenntnis des Gipskaufmanns erinnern, der in den Steinbrüchen mehr sah als bloße Rohstofflager. Ohne seinen Einfluß wäre die sorgfältige Bergung zahlreicher eiszeitlicher Großsäugerknochen aus den Abraum der Gipsbrüche unter Beteiligung namhafter Fachleute wie Dr. Hamm, dem damaligen Direktor des Landesmuseums Hannover, undenkbar gewesen.

Erst im Rentenalter entdeckte er seine Neigung zur Geschichtsforschung. Zwar war er schon in jungen Jahren heimatkundlich interessiert; die Heimatbücher von Meyer, Heine oder Silberborth hat er schon mit 21 und 22 Jahren erworben. Aber schöpferisch tätig wurde er auf diesem Gebiet erst, nachdem sein Freund Hugo Haase – wieder einer von den Höhlenforschern - die Gründung eines örtlichen Geschichtsvereins in Walkenried angeregt hatte. Mit einigen Gleichgesinnten gründete Walther Reinboth 1964 diesen bis heute lebendigen Verein. In selbstkritischer Zurückhaltung lehnte er den Vorsitz zunächst ab, mußte ihn dann aber 1968 doch selbst übernehmen. Walther Reinboth führte den Walkenrieder Geschichtsverein dann 22 Jahre lang bis in das 90. Lebensjahr.

Mit ebensogroßer Sachkenntnis wie humorvoller Art sprang Walther Reinboth ein, wenn im Kloster eine Sonderführung für prominente Besucher gebraucht wurde. Als Heimatforscher fand er Anerkennung bis hin zur Verleihung des Niedersächsischen Verdienstordens, doch neben Erfolgserlebnissen standen auch zermürbende und meist vergebliche Bemühungen um alte Bäume, Grabstätten, Bauwerke und andere Kulturdenkmäler. Seine Anhänglichkeit an die Nordhäuser Heimat prägte auch den Geschichtsverein. Zahllose Verbindungen hat er nach dort geknüpft. So wurde der Walkenrieder Geschichtsverein auch zu einem der "Taufpaten" des nach der Wende aus den Resten des Kulturbundes wiedererstandenen, traditionsreichen Nordhäuser Altertums- und Geschichtsvereins.

1946 hat Walther Reinboth noch einmal das zerstörte Nordhausen in ausdrucksvollen Skizzen festgehalten. Später scheute er es aber, sich der Willkür demütigender Grenzkontrollen auszusetzen und besuchte erst kurz vor seinem Tode nach dem Fall der Grenze noch einmal seine geliebte Heimatstadt. Seine letzten Lebensmonate waren von schwerer Krankheit überschattet. Am 15. Dezember 1990, kurz vor seinem 91. Geburtstag, ist Walther Reinboth friedlich eingeschlafen.